Quinoa-Verzicht?

Kann das Gold der Anden wieder zum Kulturgut werden, wenn wir auf das Superfood verzichten?

 

Quinoa wird auch als Inka-Korn oder Inka-Reis bezeichnet. Es handelt sich hier um die Samen von Fuchsschwanzgewächsen, die nicht zur Familie der Süßgräser gehören und auch als Pseudogetreide beschrieben werden, weil sie ähnlich wie Getreide behandelt werden.

Die Pflanze wird bis zu 1,5 m hoch. Die Quinoa-Samen, die als Superfood auf unseren Tellern landen, sind deren Früchte, kleine Nüsse, aber auch der Verzehr der Blätter als Spinat ist möglich.  Die Nüsschen unterscheiden sich je nach Art des Gewächses in ihrer Farbe.

Was macht Quinoa zum Superfood?

  • Quinoa ist frei von Gluten und deshalb beliebt bei Menschen mit Gluten-Unverträglichkeit, Zöliakie oder denen, die sich einfach gerne free from (free from) ernähren.
  • Quinoa ist eiweißreich (zwischen 11 und 18 %) und enthält alle zehn essentiellen Aminosäuren, besonders das enthaltene Lysin soll Zellen reparieren und somit das Bindegewebe und das Immunsystem stärken, sowie der Entstehung von Krebszellen vorbeugen. Besonders das schwarze Quinoa (ursprünglich bei Bestattungszeremonien konsumiert) soll stimmungsaufhellend wirken was auf den hohen Gehalt an Tryptophat zurückzuführen ist.

Quinoa wächst seit mehr als 5000 Jahren in den südamerikanischen Anden, sowohl im Tal, als auch in den Höhen. Da die Pflanze dort als Grundnahrungsmittel und durch die lange Geschichte auch als Kulturgut gilt, wird sie auch als das Gold der Inka bezeichnet.

unbenannt

Quelle: Quinoa Anbau in Südamerika (GIZ 2013)

Der Anbau von Quinoa ist seit 2000 um 40 Prozent gestiegen, 70 Prozent davon gehen in den Export. Im Zeitraum zwischen 1999 und 2008 haben sich die Preise für Quinoa verdreifacht. In Bolivien und auch in Peru ist Quinoa zur Haupteinnahmequelle geworden, was einerseits Vorteile hat, da zumindest in den städtischen Gebieten Einnahmen steigen und sich Möglichkeiten eröffnen, die es vorher nicht gab. Familien mit hohem Einkommen haben Zugang zu Bildung und sind in der Lage, eine Krankenversicherung zu zahlen.  Auch der Anteil an fairen Unternehmen, die die Landwirte gerecht am Mehrwert beteiligen, steigt. Es gibt Organisationen wie z.B. Oikocredit, die Kredite stellen, aufklären, beim Anbau unterstützen usw.

Doch andererseits gibt es auch Schattenseiten: Ein immer größeres Nord-Süd Gefälle, vor allem in Bolivien, demzufolge Armut und Hunger in den ländlichen Gebieten, weil vielen Bewohnern ihr eigenes Grundnahrungsmittel zu teuer wird.  Die anhaltende Abwanderung vom Hochland in die Städte, vor allem in die Gegend um La Paz wird zum Problem.

Die Konkurrenz um Quinoa-Landschaften wird immer größer. Das führt zu politischen Streitigkeiten um die ungleiche Verteilung von Land. Ganz nebenbei kommt es natürlich auch zur Übernutzung der dortigen Flächen.

Was wir über die Medien erfahren, könnte zusammengefasst so ausgedrückt werden:

Der Hype um das gesunde Pseudo-Getreide sorgt dafür, dass die Preise so stark ansteigen, dass die bolivianischen (und peruanischen) Bauern sich selbst nicht mehr davon ernähren können und verarmen. 

Die eine Reaktion ist…

Boykott des neuen Golds, damit die Preise sinken und die Einheimischen nicht verhungern oder amerikanische Importware essen müssen.

Aber wie sollten dann die Bauern dann bezahlt werden, die mir ihrer kompletten Identität und Tradition teuer dafür gezahlt haben, am globalen Hahn zu hängen? Ein Boykott würde den Landwirten nur schaden.

Die verbreitetere Meinung ist…

Solange man Fair Trade-Produkte kauft, unterstützt man den Weltmarkt, der die bösen Zwischenhändler aus dem Weg räumt und die Landwirte gerecht bezahlt.

Die Entscheidung wird durch die Nachfrage des reichen Konsumenten getroffen. Und der ist sich im Allgemeinen sicher, dass Fair Trade immer die richtige Antwort ist. Zumal Fair Trade auch ein schickes Lifestyle-Produkt ist, quasi Statussymbol und Weltretteremblem in einem.

Leider ändert Fair Trade nichts an den existenziellen Nachteilen des Quinoa Booms…

Sicher ist es gut, dass es Unternehmen gibt, die bolivianischen Bauern fördern, Traktoren stellen, Mindestpreise zahlen, sodass sie mit mechanisierter Landwirtschaft höhere Erträge erwarten und planen können. Aber das Versprechen von „Fair Trade“, nämlich die Nachhaltigkeit zu fördern passt leider nicht zum Wachstumswahn und der Mechanisierung des Quinoa-Anbaus.

Die Mechanisierung hat dafür gesorgt, dass Brachzeiten von acht bis zehn Jahren nicht mehr möglich sind. Es wird dauerhaft produziert, sodass die Bodenfruchtbarkeit sinkt. Die ehemaligen Weideflächen, nehmen kontinuierlich ab, man braucht Platz für mehr Quinoa .

Somit verlernt der Landwirt seine traditionsreichen Anbaumethoden und Kultur, er hat keine Zeit, die Pflanze auch nicht. Dem durch den Klimawandel sowieso schon wackeligen System werden nach und nach die Bausteine genommen.

Die Folge: Bodenerosion, Nährstoffverlust. Sandstürme in den Anden weisen auf die Desertifikation der Böden hin.

Fair Trade kaufen?

Ja, wenn man die Lebenswelt der Bolivianer auf dem Gewissen haben kann, die langfristig ihre eigene Umwelt und Identität für die kurzfristige Sicherheit zerstören.

Demnach gäbe es keine Möglichkeit  zu gewinnen, ob wir nun kaufen oder nicht.

 Konsumpolitik ist hier nicht alles. Alternativen werden derzeit in Form von Agrarreformen gesucht, um die ungerechte Landverteilung zu vermeiden und vor allem geht es um die Stärkung des regionalen Marktes, insbesondere des Nahrungsmittelmarktes und um die Regulierung der Importware aus den USA. Bolivische Landwirte brauchen Unterstützung beim Anbau von Produkten für den Eigenbedarf, beim Umgang mit den Flächen im Verlauf des Klimawandels, bei der Entwicklung von horizontalem Austausch.

Denn: Quinoa als Konsumgut sichert vielen Einheimischen Existenz. Allerdings ist das Korn auch Kulturgut und somit identitätsstiftend. Wäre da nicht auch noch die Identitätskrise Boliviens, die politische Spaltung von arm und reich,  hätte Hilfe für einen horizontalen Austausch die Lösung sein können. 

Immer noch nicht entschieden? 

Gesetz der Mutter Erde Bolivien

In der globalen Debatte taucht seit der Verabschiedung des Gesetz der Mutter Erde ein neuer Gedankenansatz auf, der zusammengefasst beschreibt, wie überflüssig die Debatte ist, wenn das Ziel immernoch das Wachstum bleibt und nicht die Verbesserung von Lebensqualität.

Die Erhaltung der Natur und der Kultur ist nicht mit dem wirtschaftlichen Wachstumswahn vereinbar- Wachstum wird durch die Nachfrage gesteuert. 

Regionale Alternativen zum Quinoa: 

Hirse       Spinat

Hier eine schöne Dokumentation zum Thema

 Quellen

Das Problem der Abwanderung:  http://www.caritas-international.de/wasunsbewegt/caritasfuercaritas/einemillionsterne/landflucht-in-bolivien

Quinoa Sorten: http://www.quinoa-rezepte-vegan.de/quinoa-sorten-im-ueberblick/

Quinoa sichert Existenz:  http://www.quetzal-leipzig.de/lateinamerika/bolivien/quinoa-kaufen-oder-nicht-kaufen-ist-das-die-richtige-frage-19093.html

Zum Weltmartk und Zwischenhändlern http://www.oekotopia.org/fair/weltmarkt.html)

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