Ernährungsindustrie

Functional Food- Geschäfte mit der Angst

Wohlstand und Urbanisierung sind, zumindest statistisch gesehen, unmittelbar mit einem ungesunderen Lebensstil, weniger Bewegung und leichterem Zugang zu kalorienreichem und nährstoffarmen Essen verschränkt. 2008 waren im Schnitt 59% der Männer und 48% der Frauen in den 27 Staaten der EU übergewichtig.

Time for a change!

Das Interesse an gesunder Ernährung und gesunden Inhaltstoffen  ist besonders in den Industriestaaten gewachsen. Ein gesunder Lebensstil wird zunehmend wichtig.

In erster Betrachtung geschieht das aus Angst vor Krankheiten,wie Diabetes und Krebs, aber auch vor Depressionen und anderen mentalen Krankheiten wie Alzheimer, Konzentrationsverlust usw. Aber auch, weil man Teil der bewussten und modernen Esskultur sein möchte, die endlich die Augen geöffnet hat. 

Schön wär´s. Wenn man es genauer betrachtet, ist die Ernährungsindustrie diejenige, die all diese Reize setzt und steuert, Ängste verbreitet und sofort das passende Produkt anbietet, was uns zufriedenstellt.

Es wäre ein schöneres Pendant gewesen, in diesem Absatz zu schreiben,  dass uns die Industrie die Augen geöffnet hat. 

Aber leider hat sich das Verhältnis zum gesunden Essen nicht verändert, sondern es wurde ein schlechtes Gewissen kreiert, das dafür sorgt, nach dem schnellen Snack beim Imbiss noch schnell einen grünen Smoothie vom Bahnhofs-Shop hinterherzuschütten.

Klingt extrem, aber im Grunde passiert genau das:

Der Konsument, und das weiß die Industrie, ist viel zu beschäftigt, gestresst und verunsichert, um zu erkennen, dass gesunde Ernährung keine Physik braucht. Er hat schlichtweg keine Zeit für eine ausgewogene Ernährung und versucht seinen Lebensstil mit den funktionellen Energiebomben auszugleichen. Zusätzlich wird er von der Industrie immer wieder dazu angehalten, bitte auch davon immer nur das Beste zu konsumieren und möglichst konsekutiv.

Die functional food Industrie…

Die Nahrungsmittelforschung (Projekte der Europäischen Kommision) beschäftigt sich mit der Identifikation und dem Verständnis über potenzielle Mechanismen von biologisch aktiven Komponenten im Essen, die die Gesundheit  verbessern und Krankheitsrisiken senken soll. Dieses Forschungsinteresse, die Vermarktung durch die Industrie und die Nachfrage führen zum Konzept der functional foods.

Die functional food Technologie ist heute soweit, dass es möglich ist, Nahrungsmittel an bestimmte Bevölkerungsgruppen mit bestimmten Krankheitsrisiken anzupassen, sogar Nahrungsmittel anhand von genetischer Information zu personalisieren.

Der Superfood Trend ist da nur ein Anfang, ein kleiner Teil des großen Plans der functional food Industrie.In diesen Rahmenplänen gibt es insgesamt 47 Projekte, in denen es um die Gesundheitsleistung von Nahrung in verschiedenen Dimensionen geht (Diabetes, Allergien, mentale Gesundheit, Krebs usw.) Die Projekte, in die 513 partner von verschiedenen Forschungsinstitutionen involviert sind, kosten insgesamt etwa 150 Millionen Euro.

Kann Nahrung überhaupt funktionell sein?

Eine Meinung dazu in der Forschung ist, dass sie deshalb funktional ist, weil die Inhaltstoffe der Lebensmittel einen physiologischen Effekt haben. Somit würde jedes Produkt, das mit irgendeiner Funktion vermarktet wird, das Etikett functional food tragen. Es geht also um fast alle Produkte aus der Gruppe Früchte, Gemüse und Getreide.

Eine andere Meinung ist, dass food erst functional ist, wenn die Nährwerte sich besonders von anderen Lebensmitteln abheben.

Functional Food Wissenschaft Europa (FUFOSE) definiert functional foods als Lebensmittel, die eine oder mehrere Funktionen im Körper mehr als ausreichend gut beeinflussen.

Functional food kann minimal verändert werden, das heißt beispielsweise die Entnahme von Komponenten, die schädlich sein können, bzw. die Zugabe von besonders guten Inhaltsstoffen. Gleichzeitig betont die Europäische Komission

It is not a pill, a capsule or any form of dietary supplement

Functional Food Forschung

In der Forschung geht es vor allem darum, neue, funktionelle Inhaltsstoffe zu identifizieren und gleichzeitig die Akzeptanz des Konsumenten herzustellen:

Diese Forschungsprozesse beinhalten also die Suche nach potenziellen Inhaltsstoffen zur Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens, die Bioverfügbarkeit zu bestimmen, Biomarker zu entwickeln, die eine möglichst weite funktionale Bandbreite in Endprodukten haben können, die Stabilität von bestimmten Inhaltsstoffen zu gewährleisten und viele andere Punkte.

Was das mit Superfoods zu tun hat?

Da Superfoods als Superfoods vermarktet werden, weil sie besonders gute Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben sollen (Nährstoffe und freie Radikale) werden die Begriffe oft miteinander vermischt.

Wie ich beschrieben habe, bezeichnet die Europäische Komission functional foods als Produkte, die verändert sein dürfen, indem schädliche Stoffe entfernt oder eben etwas hinzugefügt wird, was besonders gut sein soll.  Die Superfoods stammen zwar aus der Produktionsstätte Functional Foods, werden aber als unverarbeitete Lebensmittel vermarktet.

Heute ist klar oder wird langsam klar, dass dem nicht mehr so ist. Zwar ist der Markt der Functional Foods riesig, dennoch gibt es immer mehr Konsumenten, die an der heilenden Wirkung zweifeln und auch die Produktion von Functional Foods und Superfoods kritisch betrachten.  Deshalb es schon einen neuen Trend gibt, nämlich den der Organic und Raw Foods.

Ziemlich verwirrend, hier die Definitionen im Überblick

 

Functional Food

Functional Food: a food that beneficially affects one or more target functions in the body beyond adequate nutritional effects in a way that is relevant (EUFIC)

Superfood

„[…]ein nährstoffreiches Lebensmittel, das als für Gesundheit und Wohlbefinden besonders förderlich erachtet wird.“ (Oxford English Dictionary)

 

Organic Food

„Organic food is the product of a farming system which avoids the use of man-made fertilisers, pesticides; growth regulators and livestock feed additives. Irradiation and the use of genetically modified organisms (GMOs) or products produced from or by GMOs are generally prohibited by organic legislation“ (DEFRA)

Raw Food

„Rohkost ist lebendige Nahrung“ (Schweizer Konvention)

Hier nochmal  nachlesen:

Functional Food Technologie in der Europäischen Komission

 

 

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