Der Avocado-Kompromiss

Superfoods unterstreichen einen Lifestyle. In der wohlhabenden Gesellschaft nehmen Lebensmittel Gestalt an, sind gut oder böse, verhelfen zu Schönheit, strahlen Exotik und Weltoffenheit aus, unterstreichen den Status. Mit dem Begriff Superfood wird kein Lebensmittel, sondern ein Lebensgefühl verkauft. Ursprünglichkeit und Kultur wird materialisiert und zu einem Wert, den wir im Supermarkt kaufen können.

Avocados gehören der neuen Generation des Superfoods an, in der Goji- und Acaibeeren als böse gelten, die Rückkehr zu „normalen“ Lebensmitteln gefordert wird. Das Besondere, aber auch Widersprüchliche an der Avocado ist, dass sie insbesondere von denen angepriesen wird, die sich für Weltthemen bewusst einsetzen. Sei es die PETA , die neuerdings mit Avocado Rezepten wirbt, Veganer, die aus moralischen Gründen fleischlos leben und die Welt verbessern wollen oder eine der größten Öko-Mode Marke, die sich selbst nach dem importierten Superfood benennt.

Die gute Art des Überflusses…

Die Avocado ist ein Superfood Kompromiss – so eingedeutscht, dass sie niemandem mehr exotisch vorkommt.

Es scheint, das Marketing „Eat me“ hat es geschafft, der Avocado einen gottgleichen Status zu verleihen. Sie ist das Symbol unserer Zeit. Reichtum und doch so große Naturverbundenheit, das Tor zur modernen Community, denn Food Trends verbinden, modernes Statussymbol, denn die Avocado ist immer noch nicht billig und Medizin, denn das Marketing hat erfolgreich vermittelt, dass ein Leben ohne Avocado nicht mehr möglich ist.

Die Avocado gibt es schon seit den 80er Jahren in Deutschlands Supermärkten, als vegetarisch und vegan noch in den nach Lavendel und Ingwer stinkenden dunklen Biomärkten stattfanden. Die Butterfrucht wurde hart eingekauft, in Zeitungspapier eingewickelt auf der Heizung gelagert und dann hieß es warten. Nach einer Woche war sie, wenn alles gut lief weich, wenn nicht, hart und wässrig. Eine Marktlücke!

Vegetarisch und Vegan soll heute kein Verzichttrend mehr sein, sondern Märkte schaffen. Und auch die Avocado wurde nach langer Planung als Superfood neu erfunden.

Superfoodmerkmale  

-Reich an ungesättigten Fettsäuren, soll Krebs und Falten vorbeugen

-Reich an Vitaminen und Mineralien, soll Immunsystem stärken

Anbau

Der Anbau ist aufwendig und erfordert viel Zeit, Geld, Energie und Wasser. Die Schösslinge der Pflanze werden gezogen und anschließend mit Wachstumshormonen betupft. Sie werden ins Gewächshaus gebracht und auf stärkere Pflanzen, wie z.B. kleine Apfelbäume aufgepfropft, indem der Stamm angeritzt und mit dem der Avocadopflanze verklebt wird, sodass sie zusammenwachsen. Ist die Pflanze stark genug, wird sie in einen vorher entsteinten Boden ausgesetzt und mit sonnenschützender Latex-Farbe bestrichen. Das Bewässerungssystem wird per IPad gesteuert.

Auf der Karte sieht man die Herkunftsländer der Avocado, angegeben ist die Produktion in Tonnen pro km²

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Quelle: European and Mediterranean Planet Protection Organization

Problematische Aspekte der Avocadoproduktion

Wasser:

Im Vergleich zu

1 kg Tomaten, die im globalen Durchschnitt 180 l Wasser brauchen,

1 kg Salat, der 130 Liter braucht,

sind es für 1 kg Avocados 1.000 Liter Wasser.

Das bedeutet, es werden 1.000 Liter Wasser für 2,5 Avocados gebraucht.

Waldrodung

Die Avocadofelder stehen im Hang nicht günstig. Die Felder müssen eben sein, damit sie optimal bewässert werden können. Die steigende Nachfrage sorgt dafür, dass dieser Platz geschaffen werden muss, wofür Wälder gerodet werden müssen.

3) Co2- Ausstoß

Der Weg in den Supermarkt ist weit und die Avocado muss auch auf der Reise versorgt werden, wofür Unmengen an Energie verbraucht werden.

3) Konflikte

Der Markt spaltet die Anbauländer aus verschiedenen Gründen. Sei es der Zugang zu Wasser, Dürre,  Verarmung kleinerer Farmen durch große Konzerne durch zu große Konkurrenz oder, weil sie sich  den Anbau von Avocados gar nicht leisten können

Die Avocado aus Südafrika auf dem Weg nach Rotterdam  

Um die Auswirkungen der Avocadoproduktion beispielhaft zu beschreiben, habe ich eine Karte gezeichnet,  die den Transport der Avocados von Kareebosch nach Maasdjik darstellt, um die Probleme der Produktion anhand des Weges zu erläutern.

Unbenannt.GIF

1) Wasser und regionale Spaltung der Region im Norden Südafrikas

Doornbult und Kareebosch liegen im Norden Südafrikas. Dort sitzen Farmen, die ZZ2 seit über 20 Jahren bewirtschaftet. Es gibt eine Pipeline, mit Hilfe derer die Felder hier bewässert werden. Da das Wasser wegen der Dürre durch El Nino begrenzt ist, kommt es immer wieder zu Konflikten und Durst, vor allem da ZZ2 die Pipeline nun nach Rietpol (nördlich) und Rietgrat (westlich) geleitet werden soll, weil die Farmen deutlich günstiger für die Produktion gelegen sind.

2) CO2-Ausstoß und Energieverbrauch

Der Weg von Kareebosch bis Durban ist 850 km weit. Am Hafen werden die Avocados in Schutzhüllen aus Plastik verpackt, weil sie empfindlich gegenüber Stößen und Dreck sind und verfrachtet. Die Schiffüberfahrt nach Rotterdam dauert 26-30 Tage. In dieser Zeit werden die Avocados in einem strombetriebenen Container temperiert und befeuchtet, was viel Energie benötigt.

3) In Rotterdam werden die Avocados von Natures Pride  empfangen und auf ihren Reifegrad und die Qualität geprüft.

4) Weiter werden sie nach Maasdijk transportiert und dort mit Ethen besprüht, damit sie schneller reifen, um dann nach sechs Tagen mit dem uns bekannten „Eat me“- Etikett versehen zu werden.

Bekannt sind natürlich auch die Walrodungen in Mexiko, um Platz für neue Felder zu schaffen. Die Überproduktion ist nicht nur ein Problem der Umwelt, sondern auch eines der Menschen dort, die unter dem durch Pestiziden verschmutzten Trinkwasser leiden müssen.

 

 

Quellen

http://www.zeit.de/2016/43/avocado-superfood-anbau-oekologie-trend/komplettansicht

http://reviewonline.co.za/20014/construction-of-new-water-pipeline-causes-tiff-between-farmers/

http://www.zeit.de/2016/43/avocado-superfood-anbau-oekologie-trend/komplettansicht

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