Pt. II Local Food Movement -Wo ist Local?

 

In meinem vorherigen Beitrag habe ich etwas zum Local Food Movement geschrieben und die Ziele und Probleme dieser Bewegung im Allgemeinen beschrieben.

In diesem Beitrag geht es um eine andere Perspektive auf diese Bewegung, nämlich darum, wo dieses „local“ überhaupt ist.

Die kartographische Darstellung der “local food movements“ seit dem 20. Jahrhundert kann man auf dieser Karte sehen. Markiert sind  Länder, in denen verschiedene local food  Trends entstanden sind.

trendmap.jpg

 

Quelle

Was wir über das Local Food Movement bereits wissen ist, dass es eine räumliche Bewegung zurück an einen Ort gibt.Wir wissen auch, dass der Ortsbegriff nach den Prozessen der Globalisierung, der Ausdünnung des Ortes, dem Schrumpfen der Welt, in den Raumbegriff übergeht und teilweise mit ihm verschwimmt.

Das Local Food Movement versucht den negativen Auswirkungen der Raumveränderungen durch die Globalisierung wie zum Beispiel die Entstehung weiterer Handelswege, Anonymität, Verlust von Identität  entgegenzuwirken.

Was aus der Relokalisierung des Ernährungssystems resultiert, ist im schlimmsten Falle der defensive Lokalismus, eine Verhärtung des Begriffs Lokal, der vielleicht Identität erzeugen kann, aber in seinem Diskurs einfach nicht mehr zeitgemäß und differenziert genug ist.

Defensiver Lokalismus kann kartographisch leicht dargestellt werden. Es geht um Orte, Limitierungen, um feste Begriffe (siehe Local Food Movement).

Versteht man die Rückführung der Ernährungsindustrie, das Local Food Movement aber als flexible Bewegung aus vielen verschiedenen Motiven von Individuen, die alle eine unterschiedliche Vorstellung von Gesellschaft, Kultur und Orten haben, befinden wir uns bei Raumbegriffen kultureller Natur, die ineinander übergreifen. DER Raum, bzw. die Lokalität im Raum, kann nicht einfach auf der Karte eingezeichnet werden. Raum wurde durch das herrschende Ernährungssystem vom Ortsbegriff weitgehend getrennt.

Hierzu interessant: Space and Place

Unter diesem Verständnis von Ort und Raum, ist eine zeitgemäßere Vorstellung der Rückführung zum Lokalen die Respatialisierung. Eine Respatialisierung der Ernährungsindustrie würde unter dieser komplexen Vorstellung aussehen wie viele Waben, viele Dimensionen, die viele Perspektiven des Begriffs lokal ausdrücken.

Aber kann man dann eine entgrenzte Welt überhaupt auf etwas Lokales reduzieren ohne sie dabei unnatürlich zu begrenzen?

Wie kann man sich lokal dann vorstellen? Wie soll lokal heute funktionieren, wenn der Ort, als räumliches Konzept so stark transformiert wird?

„Lokal“ muss neu strukturiert und vermittelt werden

Nach dem neuen Regionalismus ist Lokalismus ein Begriff für die Forschung nach Reflexionen, wie Orte konstituiert sein können und wie sie durch das soziale Leben, Beziehungen und Identität geformt werden.

Global und lokal werden in unserer heutigen Zeit als dialektisches Paar gesehen, sie sind untrennbar. Bekannt ist uns dieser Ansatz durch das Motto think global act local. 

„It’s really important to recognize that markets are different around the world, and company compensation programs should reflect a balance between global corporate philosophy and local practice and culture.“(Heaps 2010: 28).

Das bedeutet, um lokal beschreiben zu können, muss der Begriff immer in Beziehung zum globalen Geschehen werden. Lokal bezieht sich auf den Ort, der Ort ist im Raum eingenistet, der erstens immer differenziert betrachtet werden muss und zweitens nie als statischer Begriff gesehen werden kann

Die Idee des Lokalen ist besser aufgehoben als ein solch flexibles Wertesystems anstatt eines rein kartographischen Begriff. Die exakte geographische Nähe und „Lokalisierung“ spielt dann eine Rolle, wenn es um die Erhaltung der Qualität der Lebensmittel oder Risiken geht (food security/risk Food).

Natürlich gibt es auch Karten (Themenkarten) Local Food Movement, die das Thema „Local“ visualisieren.

Sie sollen insbesondere auf die Dichte und Diversität der Produktionsstätten aufmerksam machen, Nähe vermitteln. Lokalisiert sind hier meistens Farmen auf politischen oder thematischen Karten von verschiedenen Regionen. Leider gibt es keine Karten, die den Bezug zum globalen Handel visualisieren oder die Verbindung zwischen Gesellschaft, Kultur und Lokalität herstellen.

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Maryland LFM Map

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Farmers Markets USDA

campbell_map

US Bevölkerung, die lokal ernährt wird

 

Quellen

Entgrenzung von Arbeit und Leben : Angriff auf Raum und Zeit

The place of food: mapping out the ‘local’in local food systems

John Agnew: Space and Place

Heaps, W. (2010): Think Globally, Act Locally for Compensation Design.

 

 

 

 

 

 

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